Warum habe ich Kreuzschmerzen?
 Und was hilft wirklich?

Das haben wir einen der führenden Wirbelsäulenspezialisten Europas gefragt. Und er hat auch gute Nachrichten. Zum Beispiel: "Der Rücken kann sich fast immer selbst heilen!". Was Sie außerdem wissen sollten

Tipps gegen Kreuz- und Rückenschmerzen

Wenn es im Kreuz wehtut, hilft nur eines: Bewegung. Warum? Das erklärt der Experte in diesem Interview

Es ist ein Kreuz mit diesen Schmerzen. Meist kommen sie völlig überraschend und schlagen heftig zu. Ob im Nacken oder im Lendenwirbelbereich – von einem Tag auf den anderen werfen sie uns aus der Bahn. Rückenschmerzen sind eine Volkskrankheit: Mehr als 80 Prozent der Deutschen waren schon mindestens einmal betroffen davon. Die meisten quälen sich jahrelang damit. Wir haben mit dem renommierten Orthopäden Dr. Martin Marianowicz gesprochen: Was sind die Ursachen? Was hilft wirklich?

freundin: Warum hat gefühlt eigentlich jeder "Rücken"?
Dr. Martin Marianowicz: Die Erfindung des Computers ist für die Wirbelsäule ein Desaster: Unsere Arbeitswelt ist rückenfeindlich geworden. Es gibt keine Bewegung mehr. Aber in Zeiten von Smartphone & Co. geht es ja bereits in der Schule los. Schon Zehnjährige schneiden in Rückentests, in denen geprüft wird, wie fit und koordiniert sie muskulär sind, miserabel ab.

Was müssen die Schüler zum Beispiel machen?
Einfache Halteübungen, etwa bei geradem Rücken leicht in die Knie gehen, Arme nach vorne ausstrecken und 60 Sekunden halten.

Es liegt vor allem am Bewegungsmangel?
Auf jeden Fall! Es gibt zwar auch andere Ursachen wie Stress, aber vor allem fehlt uns Bewegung. Am Ende des 19. Jahrhunderts liefen die Menschen im Schnitt noch zwölf Kilometer am Tag, heute schaffen wir nur 500 Meter. Das Fatale: Von dem Bewegungsmangel ist die Physiologie der Wirbelsäule besonders betroffen. Da in den Bandscheiben keine Blutgefäße sind, brauchen wir Bewegung. Sitzen wir acht oder mehr Stunden am Tag, wird die Wirbelsäule in der Zeit nicht ernährt.

Aber ein Bürojob bleibt ja ein Bürojob ...
Ja, leider. Unsere Gene sind allerdings noch die gleichen wie vor 300.000 Jahren, als der Mensch durch die Wälder streifte – die Wirbelsäule ist für so ein Leben geschaffen. Und dafür ist sie ein geniales Bewegungsinstrument: lässt uns gehen, laufen, springen, klettern, aber auch liegen, stehen und sitzen.

Übrigens: Diese Yoga-Position hilft gegen Rückenschmerzen.

Was raten Sie Vielsitzern?
Eine Grundregel ist: 10 Minuten pro Stunde aufstehen und laufen, der Drucker sollte nicht in Griffweite stehen. Zudem machen Hilfsmittel wie Stehpulte oder Stehkonferenzen Sinn. Bei uns im Rückenzentrum ist etwa Liftfahren verpönt. Den Weg zur Arbeit kann man aktiv nutzen... Mit etwas Eigendisziplin geht einiges.

Welche Sitzmöbel finden Sie geeignet?

Bloß kein bequemer Chefsessel – da ist eine Bierbank besser! Auf ihr muss man öfter
sein Gewicht verlagern, herumrutschen, sich strecken. Am besten fürs Büro ist ein Stuhl bzw. Hocker mit einem harten Sitz und einem beweglichen Kugelscharnier, das bei etwa 15 Grad arretiert ist, sodass die Sitzfläche vorne einen Tick runtergeht – so sitzt man schön aufrecht. Dazu noch eine kleine Rückenlehne.

Wieso fallen wir überhaupt so gern von einem Stuhl in den nächsten?

Weil meist bereits die Rückenmuskulatur schwächelt, wir nennen es Atrophie: Sie verkümmert mit der Zeit, Stehen und Laufen wird anstrengend. Sitzende Berufe ermüden auch generell deutlich mehr als bewegte.


Also gilt: zumindest in der Freizeit aufstehen ...
Wir brauchen den Ausgleich zum Büro mehr denn je. Und Fakt ist: Sport und Bewegung verlängern das Leben. Studien beweisen: Wer 30 Minuten pro Tag sportelt, verlängert seine Lebenserwartung im Schnitt um zehn Jahre. Top für den Rücken sind symmetrische Sportarten wie Nordic Walking, Schwimmen, Yoga. Fitness unter Anleitung baut effektiv 
ein Muskelkorsett auf. Mein Lieblingsgerät ist der Crosstrainer, dort hat man eine Idealbewegung für den ganzen Körper. Auch in einigen Sport- oder Fitnesscentern gibt es super Geräte.

Wenn man aber Schmerzen hat, ist Sport eher keine gute Idee, oder?
Natürlich muss man eine Diagnose haben. Aber Schonung und Schonhaltung sind generell schlecht, führen zu immer weiteren Problemen. Wir wissen, dass Bewegung die Heilung beschleunigt, Entzündungsstoffe schneller abgebaut werden. Dann lieber eine Schmerztablette nehmen und trotzdem aktiv sein. Vielleicht nicht gerade Tennis oder Golf spielen, aber harmonische Bewegungen wie Rad fahren, walken oder sanfte Dehn- und Yogaübungen gehen immer.

Haben Frauen und Männer unterschiedliche Rücken-„Baustellen“?

Durchaus, bei Frauen schmerzen oft oberer Rücken und Nacken, bei Männern der Lendenwirbelbereich. Und: Die meisten haben Probleme, besonders mit den Bandscheiben, zwischen 40 und 50 Jahren.

Was ist da los?
Zum einen steckt man mitten 
in der Rushhour des Lebens, einem psychischen Peak. Zum anderen besteht dann auch das anatomisch ungünstigste Verhältnis zwischen bereits bestehenden Rissen und dem noch saftigen Bandscheibengewebe. Später, wenn der Gallertkern in
 der Bandscheibe, der zum Großteil aus Wasser besteht, altersgemäß langsam austrocknet, ist der Druck auf den Faserring wieder weniger groß. Mit 70 hat sich die Zahl der Betroffenen halbiert.

Mal eine schöne Aussicht fürs Alter. Aber muss vorher nicht häufig operiert werden?

Mehr als 80 Prozent aller Rückeneingriffe in Deutschland sind unnötig, egal in welchem Alter! Bei uns wird pro Kopf der Bevölkerung 3,5-mal so oft operiert wie in Frankreich, sechsmal häufiger als in England. Wie kann es sein, dass im Mikrochip-Zeitalter Orthopäden, auch Neurochirurgen, also eigentlich Wirbelsäulenspezialisten, noch arbeiten wie zu Zeiten der Dampfmaschine, mit Hammer und Meißel? Dieser OP-Wahn in Deutschland gehört unterbunden! Doch solange Orthopäden zu Chirurgen ausgebildet werden, wird sich das kaum ändern.

Aber verständlich, dass Patienten sich dafür entscheiden?

Natürlich! Viele chronisch Geplagte haben schon zig Therapeuten versucht, haben Einlagen bekommen, die Faszien behandeln lassen, waren beim Osteopathen – trotzdem fehlt die eindeutige Diagnose und die Beschwerden gehen nicht weg. Aber auch nicht nach der OP. Manchmal passen MRT-Bilder und Schmerzempfinden auch überhaupt nicht zusammen. Es gibt zig Graustufen, gerade bei den vielen unspezifischen Problemen – das Gehirn spielt eine große Rolle, genau wie die Einstellung. Dann muss 
man sich mit dem Arzt sein 
ganzes Leben anschauen. 
Oft kommt Psychisches zum
Vorschein, und es braucht
 von uns Medizinern einen Anstoß, etwas zu ändern.


Was drückt uns seelisch denn
 unangenehm aufs Kreuz?

Vor allem der Stress, da zeigen
 Studien einen klaren Zusammenhang. Er sitzt vielen buchstäblich im Nacken. Die Anspannung führt zu einem erhöhten Muskeltonus, die dadurch entstehenden Verspannungen erzeugen Schmerzen. Häufig kommt
 es auch zu einem Teufelskreis aus Faktoren wie Überforderung, Depression, Einsamkeit und dem Schmerz. Kopf und Körper 
lassen sich nicht trennen.


Da muss man aber auch Glück mit dem Arzt haben, um solche Themen anzugehen ...
Absolut. Sie müssen ihm vertrauen. Fühlen Sie sich in guten Händen? Nimmt er sich Zeit für ein Gespräch und betrachtet nicht nur die Röntgenbilder? Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl. Wägen Sie in Ruhe alle Therapieoptionen ab. Und holen Sie sich eine zweite Meinung ein, das ist Ihr Recht! In den USA macht das jeder.

Was ist problematisch an den Röntgen- oder Kernspinaufnahmen?

Am besten schaut man sich seine gar nicht an – sie verfestigen nur die Angst, haben aber keinen Einfluss auf die Therapie. Mit zunehmendem Alter sieht man immer etwas, doch manche haben trotz Bandscheibenvorfällen keine Beschwerden. Wenn der Radiologe noch sagt: „Oh, das sieht nicht gut aus“, werden die Schmerzen garantiert stärker.

Was meinen Sie damit?
Es ist bewiesen: Eine negative Erwartungshaltung und wenig Ablenkung, etwa durch lange Krankschreibung, münden oft in der Chronifizierung. Es ist viel besser, zu denken: „Ist nicht so schlimm, an Rückenschmerzen sterbe ich nicht!“ Auch das sollte Betroffene hoffnungsvoll stimmen: In 90 Prozent der Fälle heilt ein Bandscheibenvorfall von selbst.

Und bis dahin muss man die Schmerzen einfach hinnehmen?
Keineswegs! Die zentrale Frage ist: Wie sehr wird das Leben beeinträchtigt? Wie erreiche ich als Arzt eine Besserung, in leichteren Fällen etwa durch Schmerzmittel wie Diclofenac und Ibuprofen, unterstützt durch Enzympräparate mit Bromelain oder entzündungshemmende Teufelskralle. Bei starken Beschwerden injiziere ich beispielsweise Schmerzmittel gezielt an die Nervenwurzel oder in den Wirbelsäulenkanal.

Was kann ich selber tun?
Für eine positive Einstellung ist das Wissen entscheidend, dass der Rücken eine hohe Selbstheilungskompetenz hat. Wie man ihn dabei unterstützt, ist individuell verschieden: Was tut Ihnen gut? Wärme, Kälte, Yoga, Massagen, Wickel, Akupunktur, Faszien‐ oder Kräftigungstraining, einfach mehr Ruhepausen – man muss es für sich ausprobieren. Ich sage immer: Man kann mit einem guten Rücken schlecht leben, wenn man ihn vernachlässigt. Und man kann mit einem schlechten Rücken gut leben, wenn man ihn pflegt.

Interview: Carolin Binder

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