„Ich bin kein Nostalgiker!“

Interview mit max raabe — Ein Mann, ein Anzug, ein Orchester: Im Fall seiner aktuellen CD und der passenden Konzert-DVD „Eine Nacht in Berlin“ ist der Name Programm. Wir trafen Max Raabe in der Hauptstadt zum Gespräch über Berliner Nächte, Vertrauen und darüber, wie er ist, wenn keiner guckt…

Im Interview: Max Raabe

Im Interview: Max Raabe

Sie wollten schon immer mal wissen, wie Max Raabe wohl fernab der Bühne ist? Hier kommt die Antwort: Er ist genauso charmant, wie er bei seinen Konzerten, in seinen Videos, mit Blick auf seine Texte wirkt. Bei diesem Künstler ist die Liebe zur Musik kein Mittel zum Erfolgszweck, sondern ein wahrhaft gelebter Stil. Woran man das erkennen kann? Nun, da wäre zum einen der Fakt, dass Herr Raabe zu unserem Treffen in Berlin mit dem Fahrrad kommt. Und damit genauso, wie er sich auch in seinem Konzert-Film „Max Raabe & Palast Orchester: Eine Nacht in Berlin“ (CD & DVD bereits erhältlich) zeigt. Des Weiteren zeigt sich sein gelebter Musik-Stil mit Blick auf sein Outfit. Zwar trägt er bei unserem Treffen weder Frack noch Fliege. Aber einen klassisch-chicen Dandy-Blazer. Mit Einstecktuch, versteht sich. Punkt Nummer drei: Wenn er in höflicher Manier und mit feiner Wortwahl auf unsere Fragen antwortet, lächelt er zwischendurch charmant – ganz so, wie man es von ihm auf der Bühne und vor der Kamera kennt.

Doch der Mann, der mit klarer Stimme, humorvollen Texten und Songs à la „Für Frauen ist das kein Problem“ oder „Küssen kann man nicht alleine“ seit Jahren für neuentfachte Begeisterung um klassisch-strenge Musikklänge sorgt, vermag es natürlich auch, zu überraschen. Jedenfalls uns im Gespräch (s.u.). Vor über 20 Jahren kamen der am 12. Dezember 1962 in Lünen geborene Sänger und ein paar Kommilitonen auf die fabelhafte Idee, ein fast vergessenes Genre aufleben zu lassen: Musik der Zwanziger Jahre. Der Erfolg und das Fortbestehen des Ensembles geben ihnen seitdem Recht. Mit der Konzert-DVD „Eine Nacht in Berlin“ bieten die Musiker – allen voran Sänger Max Raabe – nun auch die Möglichkeit, diese Musik fernab des Konzertsaals des Admiralspalast erleben zu können. Und zwar inmitten der Hauptstadt. Schön, charmant, chic!

freundin.de: Ist die Veröffentlichung der DVD, als Mixtur aus Konzert- und klassischem Film, Ihrer ohnehin vorhandenen Affinität zum Film verdanken?
Max Raabe: Eigentlich ist die DVD gedacht, als Darstellung des Ist-Zustands des Palastorchesters: eine Repertoire-Mischung aus den Klassikern der 20er- und 30er-Jahren einerseits, andererseits die Stücke, die ich mit Annette Humpe geschrieben habe. Die Kombination aus szenischen Filmelementen und den Konzertszenen ist hingegen den Ideen der dahinterstehenden Produktionsfirma zu verdanken. Das Team von „Katapult“ hatte die Idee, mich an mehreren Orten in Berlin zu inszenieren – und ich hatte die Idee, dass ich dann einfach mit einem Fahrrad an diesen Orten vorbeifahre. Zudem soll der Film auch im Ausland laufen*. Und dort freut man sich natürlich, wenn dazu passend Lokalkolorit aus Europa mitgeliefert wird.

Generell abgeneigt sind Sie der Filmkunst aber nun auch nicht…
Doch! Ich bin ja schließlich kein Filmschauspieler, wenn Sie das meinen…

… aber Sie sind in mehreren aufgetreten.
Ja – und je häufiger diese Auftritte wurden, umso klarer wurde mir, dass das im Grunde nicht mein Ding ist.

Auf CD & DVD

Auf CD & DVD

Von Missgeschicken haben also letztendlich alle etwas – auch schön. Die Ouvertüre „Ich bin nur gut, wenn keiner guckt“ wirkt sehr selbstironisch. Vor allem, wenn man bedenkt, dass bei Ihrem Bekanntheitsgrad schon lange nicht mehr die Rede davon sein kann, dass keiner guckt. Wie sind Sie denn aber, wenn tatsächlich mal keiner guckt?
Tja, das darf natürlich keiner wissen (lacht). Eigentlich bin ich ziemlich normal, lebe unspektakulär. Das Album ist auch insgesamt kein autobiografisches Werk. Im Gegenteil: Generell drehen sich die Texte um Situationen, die jeder kennt, und die prinzipiell vertraut sind. Auch das Thema dieses Songs dürfte vielen bekannt sein: der Vorführeffekt.

„Eine Nacht in Berlin“ lautet der programmatische Titel des Ganzen. Wie sähe denn so eine Nacht in Berlin an Ihrer Seite aus? Wo verbringen Sie Ihre Berliner Nächte am liebsten?
Es ist natürlich jetzt gefährlich, genaue Lieblingsplätze zu benennen – dann weiß ja jeder, wo ich mich so herumtreibe (lacht). Was ich aber sagen kann: Als ich damals nach Berlin kam, zog ich nach Neukölln. Früher war dort nichts los, man ist dann eher in Kreuzberg ausgegangen. Aber heute sind Bezirke wie Neukölln wirklich angesagt. Also wäre das so ein Ort, an den ich vorschlüge, in einer Berliner Nacht hinzugehen. Denn auch für mich wäre es Neuland, zu schauen, was inzwischen in meiner früheren Wohngegend los ist. Ich habe mich von Anfang an in Berlin sehr wohl gefühlt. Und es ist wirklich sehr schön, miterlebt zu haben, wie sich die Stadt in der Zwischenzeit verändert hat. Ich bin 1985 nach Berlin gezogen, damals war und wirkte Berlin ja noch ganz anders…

… das klingt sehr nostalgisch.
Aber ich bin kein Nostalgiker.

Und wieder so ein Überraschungsmoment! Sie sind also nicht nostalgisch?
Was ich musikalisch mache, hat für mich nichts mit Nostalgie zu tun. Im Gegenteil: Es ist etwas sehr Zeitloses. Ich möchte gerne, dass zeitlose Eleganz und Humor in diesen Stücken im Vordergrund stehen. Im Hintergrund spielen wir natürlich ein bisschen mit der Form. Aber die Smokings und Fräcke, die wir auf der Bühne tragen, könnte man auch zu jeder Filmpremiere oder Hochzeit anziehen; das Abendkleid unserer Geigerin könnte auch zu jeder Abendveranstaltung zum Einsatz kommen. Der Text-Humor muss ja nicht wirken, wie der Luther-Zeit entsprungen. Wir wollen die Zuschauer mit 20er-/30er-Klängen in der Gegenwart abholen.

Generell assoziiert man Sie hierzulande mit deutschen Texten, auf der DVD singen Sie jedoch auch mal in Englisch. Viele Ihrer Kollegen lehnen genau das ab. Warum bevorzugen Sie das bilinguale Singen?
Per se finde ich es immer gut, wenn man in seiner Landessprache singt, mit der man auch Brötchen bestellt oder mit seiner Mutter telefoniert. Eigentlich finde ich es eher komisch, wenn Leute auf Englisch reimen – denn: Es ist viel, viel schwerer, Gefühle auf Deutsch auszudrücken, da es auch schneller peinlich wirken kann. Man begibt sich also immer auf Glatteis, wenn man in der Muttersprache reimt. Umso schöner ist es also, dass es jetzt so viele Pop-Künstler gibt, die eben ganz selbstverständlich und lässig Deutsch reimen. Man denke nur an Peter Fox, Clueso, Tim Bendzko. Bei meinem Genre ist es nun aber so, dass die Sänger in den 20er-Jahren Songs wie „Singing in the rain“ damals auch hierzulande in Englisch gesungen haben: Man wollte international sein. Da wir ebenso international unterwegs sind, haben wir auch englische Titel ins Programm aufgenommen. Allerdings spielen wir selbst im Ausland immer noch weniger englische als deutsche Stücke.

Ihr Sound ist sehr zart und „Easy Listening“ par excellence, Ihre Auftritte sind eher minimalistisch inszeniert. Wie wild wird’s denn hinter den Kulissen?
Meistens ist es bei uns, wie auf einer Klassenfahrt: Wir sind schon sehr albern und so. Harmonie und Selbstverständlichkeit sind durchaus groß im Orchester. Wir ziehen jetzt nicht immer miteinander um die Häuser, sobald wir Freizeit haben. Aber nach dem Konzert setzen wir uns zusammen und verbringen eine gute Zeit. Im Grunde ist es bei uns also nicht anders, wie in einem Großraumbüro, in dem sich alle Kollegen gut verstehen und ab und zu auch mal nach der Arbeit etwas zusammen unternehmen.

Mit Blick darauf, dass die 20er-Sounds und Co. in den letzten Jahren von immer mehr Musikern und damit Kollegen interpretiert werden, kann man bei Ihrem Genre eigentlich nicht mehr von einer Nische sprechen. Stört Sie das?
Je mehr Leute sich um dieses Repertoire kümmern, umso besser – ich find’s super! Sonst wäre es ja so, als würde ich denken: Wenn’s mehrere machen, habe ich keinen Erfolg mehr – und das ist ja nicht wahr. Im Gegenteil bin ich der Meinung: Je mehr es machen, umso wichtiger wird die Musik. Es ist genug Raum für alle Künstler und Kollegen da.

*Anmerkung der Redaktion: Er tourt(e) erfolgreich unter anderem durch Israel und Amerika. Und auch 2015/16 touren Max Raabe & Palast Orchester neben GSA, erneut durch die USA, Canada und Australien. Weitere Infos gibt's hier

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